Videoletters from the Summeracademy erschien als Mimikry eines Services. Jeder Teilnehmer der Akademien konnte an einen beliebigen Adressaten einen Videobrief schicken.

Background #_01: Aufgrund unserer Experimente und theoretischen Überlegungen der letzten Jahre, halten wir Schrift und Audio als Massenmedien besonders geeignet, während wir Video und Fotografie für persönliche Kommunikation präferieren.

Bilder sollte man vielleicht vor allem von Personen sehen und besitzen, die man kennt.Eher zu ermeiden ist das One-to-Many-Bild.

Background #_02: Im Speichermedium fallen (imaginierter) Adressat und (tatsächlicher) Rezipient auseinander. Da wir in unserer Arbeit immer mit realer Kommunikation arbeiten und das Aufnahmegerät immer in diese integrieren, ist die Arbeit an der Imagination des Adressaten für uns zentrale Regiearbeit. Ein Aufnahmegerät symbolisiert die Augen und Ohren der anonymen Anderen. Es kann sich aber auch konkret auf EINE Person entstehen. Dann entsteht ein Media for One.

Background #_03: Ein zentrales Prinzip unserer Arbeit besteht in der Transparenz der Methode. Für die Verwirklichung kollektiver Arbeitsweisen halten wir dreierlei für wichtig: Offenheit des Contents, Transparenz der Methoden und die gemeinsame Arbeit an Formaten. Deshalb fertigen wir in der Regel Produktionsnotizen an.

Background #_04: Mit Video- und Audiobriefen experimentieren wir seit 2002 und werden 2013 sehr wahrscheinlich das Projekt Videoletters to the World (from Berlin-Alexanderplatz) durchführen.

 


Die ursprüngliche Idee war, dass die Teilnehmer der Sommerakademie Videobriefe an ihre Mama schicken sollten. Dabei sollten sie nur ihre Unterwäsche tragen und vor einer Blue-Box sitzen. Auf diese Weise sollte der von uns vielleicht zu unrecht unterstellte Eskapismus eine komische Note bekommen.

Diese Idee wurde intern kritisiert. Den Teilnehmern sollten selbst entscheiden, können, an wen sie sich richten. Wir änderten das Konzept und arbeiten schließlich mit folgenden vier Tafeln:

Postproduktion:

Die Videobriefe wurden ausgeschnitten, die Hintergrundfarben wurden gewürfelt (1=violett, 2=orange, 3=blau 4=grün, 5=orange, 6=rot).

 


Die Idee des Videobriefes ist gut. Der Videobrief besitzt alle Qualitäten des Media for One. Das Ergebnis ist für uns eher unbefriedigend, weil die einzelnen Briefe weder politisch noch philosophisch Relevantes vermitteln, noch das Unpolitisch-Sein als Eskapismus transparent werden lassen. Das war unser Fehler. Entweder hätten wir das Thema von Anfang an philosophischer oder politischer wählen oder aber die Privatheit auf die Spitze treiben sollen.

Wir würden uns freuen, wenn andere das Format Videobrief aufnehmen und mit ihm experimentieren. Auf diese Weise könnten wir das Format kollektiv weiterentwickeln und aus den gegenseitigen Fehlern lernen.

Wer hat Lust mit uns im Videobriefformat zu kommunizieren, das Format weiterzuentwickeln und über eine sinnvolle Nutzung nachzudenken, mail to: neue.methode@kein.org